18.10.2018: „Vivaldi-die fünfte Jahreszeit“ (Volksoper)

Foto: Volksoper

„Denn Rock ist in Barock automatisch drin!“ Dieses Konzept erkannten nicht nur die Mitglieder der Rockband „Vivaldi“, sondern auch Christian Kolonovits, der gefeierte und geschätzte Komponist der neuen Produktion „Vivaldi-die fünfte Jahreszeit“. Das Stück selbst ist eine Symbiose von Alt und Neu, klassischem Barock und moderner, rockiger Musik.

Wie schon im Titel des Werkes erkennbar, dreht es sich hier um das skandalträchtige und aufregende Leben des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi und das Weiterleben seiner Musik in der Gegenwart. Das Ganze wird durch eine Rahmenhandlung und eine Theater-auf-dem-Theater-Situation ergänzt.

Christian Kolonovits´ Musik ist unglaublich „ohrwürmeranfällig“ und verbleibt noch lange in den Köpfen der Zuschauer; besonders beliebt sind „Lebenslange Haft“ (bevor Vivaldi zum Priester geweiht wird) und „Rom, die Stadt der Kastraten“. Librettistin Angelika Messner erzählt dazu eine vor allem am Ende- als die große Erleuchtung kommt, dass man sich als Erbe Vivaldis betrachten kann -irrsinnig spannende Geschichte und fesselt das Publikum jedes Mal aufs Neue.

Für die Inszenierung sind Christof Cremer (Bühnenbild/Ausstattung) und der Direktor des Hauses Robert Meyer (Regie) verantwortlich. Sie erschufen ein farbenfrohes und imposantes Gesamtbild, besonders opulent sind die Kostüme der Szenen bei Ottoboni in Rom und im Ridotto. Für viele Lacher sorgte wie immer der glanzvolle Auftritt der Kardinäle im Dampfbad und ihr gesangsintensives (zwinker, hust) Lied „Heiß, Heiß, Heiß“.

Kommen wir nun zum Ensemble: In dieser dritten Spielzeit der BaRock-Oper wurden einige Änderungen vorgenommen-so debütierte zum Beispiel Julia Koci als Vivaldis Muse Annina Giró. Im Gegensatz zur Premierenbesetzung, Rebecca Nelsen, interpretierte sie die Rolle mit Opernstimme; ich finde es absolut beneidenswert, welche Spitzentöne sie aus sich herausholt.

Drew Sarich brillierte wie immer als „il prete rosso“ Antonio Vivaldi und brachte die Leute vor allem in der Weihrauchallergie-Szene zum Lachen. Morten Frank Larsen (Kardinal Ruffo) legte ebenfalls eine tolle Leistung hin und gefiel vor allem in seinem diabolisch düsterem Song „Sünder, du entkommst mir nicht“. Ein weiteres gelungenes Rollendebüt feierte Lisa Habermann als Toni bzw. Paolina Giró; sie überzeugte mit ihrer wunderschönen Stimme und wurde heftig bejubelt. Dasselbe gilt für Boris Pfeifer (Carlo Goldoni), der schauspielerisch und stimmlich exzellente Leistungen bot. Mai Leeb, Stefanie Mayer und Anna-Sophie Weidinger (Cati, Clara, Loni), allesamt Mitglieder des Jugendchors, bewiesen ebenfalls großes Talent. Sulie Girardi und Thomas Sigwald (weiteres Rollendebüt!!) zeigten ihren Humor als Eltern im Frisiersalon, auch Alexander Pinderak und Thomas Lichtenecker überzeugten als Gasparini/Erzbischof bzw. Kastrat Cafarelli. Ein großes Lob gebührt außerdem dem Chor und Jugendchor der Volksoper. (Und nicht zuletzt Christian Kolonovits als Dirigent des Orchesters!)

Fazit: Verdienter Jubel und Standing Ovations für einen grandiosen Abend!

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