08.11.2018: Interview zur Produktion „Vivaldi-die fünfte Jahreszeit“ mit Christian Kolonovits (Volksoper)

Die mittlerweile dritte Spielzeit der umjubelten Produktion „Vivaldi-die fünfte Jahreszeit“ an der Volksoper ist in vollem Gange. Anhand dieser BaRock-Oper durfte ich ein kurzes Interview mit dem Komponisten Christian Kolonovits führen.

Christian, du bist nicht nur für die Musik zuständig, sondern dirigierst auch das Volksopernorchester. Wie ist es für dich, bereits in der dritten Spielzeit an dieses Haus zurückzukehren?

Christian Kolonovits Ich genieße das Stück einfach viel mehr. Ich entwickle jedes Mal vor der Vorstellung eine gewisse Vorfreude und da ich die Noten beinahe auswendig beherrsche, kann ich mich mehr auf das Bühnengeschehen konzentrieren und es macht sich einfach keine Langeweile breit.

Dein Werk ist weder ein Musical noch eine Oper, sondern ein ganz neues Genre, die BaRock-Oper. Dennoch wird oft gemeint, dass es eindeutig in die Kategorie Musical eingeordnet werden sollte, Warum nicht?

CK „Vivaldi-die fünfte Jahreszeit“ wird zwar als Musical verkauft, da die Songs zumeist wie eines geschrieben sind, aber die Musik ist komplett durchkomponiert (sie wird also nicht durch gesprochene Dialoge unterbrochen). Es gibt keine einzige Minute, in der das Orchester nicht spielt beziehungsweise nicht gesungen wird. Und hier schlägt das Pendel wieder mehr Richtung Oper aus. Außerdem sind einige Zitate, zum Beispiel aus Vivaldis Oper „Juditha triumphans“ oder aus den „Vier Jahreszeiten“, in meine komponierte Musik hineinverflochten, die ich einfach anders orchestriert habe.

Wie sehr ist dein beschriebener Vivaldi dem „echten“ ähnlich?

CK Nun ja, vom geschichtlichen Werdegang ist er dem fiktiven Antonio sehr ähnlich. Aber was sein Wesen, seinen Charakter betrifft- da kann man sich eben nicht so sicher sein. Auch seine Beziehung zu Ruffo ist schwer abzuschätzen; es kann schon möglich sein, dass er dem jungen Vivaldi gleichgeschlechtliche Liebe entgegenbrachte. Es sind eben viele Elemente enthalten, die nicht hundertprozentig der Wahrheit entsprechen. Dasselbe gilt für Goldoni, man weiß nicht genau, ob da jemals eine Zusammenarbeit zwischen den beiden stattgefunden hat.

Vivaldi besaß ja einen gewissen Wien-Bezug. Wo sind noch Spuren des venezianischen Komponisten zu finden und wie hast du sie aufgegriffen?

CK Das geht eigentlich bereits ab der ersten Szene los. 1740 kam er nach Wien, nach seinem Tod 1741 wurde er im Armengrab, dem Gottesacker, nahe der Karlskirche bestattet. Dort befindet sich heute eine Gedenktafel an der Mauer der Technischen Universität, eine zweite ist am ehemaligen Wohnhaus, dem jetzigen Hotel Sacher, angebracht.

Wie fühlt man sich, wenn man so ein großes Interesse auf Seiten des Publikums bekommt?

CK Es ist eine Genugtuung und jedes Mal eine große Freude. Man kann ebenfalls nicht fassen, dass dies wirklich sein eigenes Stück ist. Ich habe im Moment so viele andere Projekte am Laufen, ich vergesse einfach komplett, dass „Vivaldi“ von mir komponiert worden ist, selbst wenn ich am Dirigentenpult stehe.

Christian Kolonovits und Hauptdarsteller Drew Sarich (Antonio Vivaldi), Quellen: Volksoper, Diane Bauer

Wie gehst du mit Kritik um?

CK Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, mit Kritik (auch mit negativer) umzugehen. Konstruktive Kritik ist mir immer willkommen. Sie kritisiert nicht nur, sie erklärt und analysiert auch. Allzu persönliche Kritik, die sich nur auf das „Niedermachen“ einer Produktion bezieht, blende ich aus. Bei Vivaldi haben die positiven Resonanzen eindeutig dominiert. Das hat mich natürlich sehr gefreut.

Wie bei jeder Neuproduktion gab es sicherlich Zweifel, ob dieses Werk wirklich aufgehen kann. Was hast du dagegen getan?

CK Du musst eine Art Schutzpanzer um dich herumlegen und versuchen, immun dagegen zu sein. Es ist wichtig, dein eigenes Ding durchzuziehen.

Du stellst in deinem Werk auf humorvolle Weise die katholische Kirche sehr infrage. Gab es von dieser Rückmeldungen?

CK Ja, einige Würdenträger haben sich „Vivaldi“ tatsächlich angesehen. Witzigerweise kamen kaum negative Resonanzen. Ich denke, auch die Kirche hat im Laufe der Zeit gelernt, mit Kritik und satirischer Überhöhung umzugehen.

Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview!

Hier außerdem noch der Link zu meiner Kritik: http://kulturwoelffin.at/2018/10/18-10-2018-vivaldi-die-fuenfte-jahreszeit-volksoper/

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